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Ein Jahr

10 Aug

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einem Jahr kann man 60 Kilo abnehmen, ein Haus bauen, Vater werden, 10 Kilo zunehmen oder 2002 Stunden arbeiten. In einem Jahr sterben über 7 Millionen Menschen an Folgen der Unterernährung und jeder Deutsche isst ungefähr 210 Eier. Ein Jahr hat 365 Tage, 12 Monate und 52,17 Wochen.

Alles also ganz relativ.

Hinter mir liegt nun ein Jahr und vor mir liegen ungefähr sechs. Wenn ich so gut wie der Durchschnitt bin.

Ein Jahr also. Ein Jahr das manchmal zu schnell und manchmal auch zu langsam vorüberzieht.

Ein Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland zu machen bedeutet vieles. Für einige bedeutet es Zeitverschwendung. Für viele ist es sicherlich ein Egotrip mit viel Party und wenig arbeiten. Denn ein Jahr weg aus Deutschland bedeutet für manche Zeit zu verbringen, die zwar im Lebenslauf positiv angerechnet wird, aber nicht immer unbedigt mit den Dingen ausgefüllt wurde, für die sie eigentlich gedacht war.

Ein Arequipa bedeutet für mich 300 Tage Sonne von morgens bis abends. Morgens um sieben von lauter Musik aufgeweckt zu werden. Anfangs da zu sein, aber irgendwie nicht unbedingt gewollt zu werden. Oder Mitglied einer neuen ,,Familie” zu sein. Zwei Mal ins Krankenhaus zu müssen. Insgesamt mehr als 28 Tage krank zu sein. Drei Mal Besuch zu bekommen. An geschätzten 200 Tagen Reis zu essen. Oder Kartoffeln. Oder Nudeln. Oder alles auf einmal. Nur zwei Jahreszeiten zu fühlen. Nicht fernsehen. Jeden Tag mit vielen Umarmungen und Küsschen begrüßt zu werden. Mehr als zwölf Tage im Bus zu verbringen (die täglichen Busfahrten nach Alto Selva Alegre oder La Mansión nicht miteingerechnet). Ein Jahr Arequipa bedeutet jeden Tag den Misti zu sehen und zwölf Erdbebeen pro Tag ausgesetzt zu sein. Und nur eins davon zu spüren. Lernen Schreibschrift zu schreiben. Und geduldiger zu werden. Und ruhiger. Immer wieder darüber nachdenken, ob Entwicklungshilfe sinnvoll ist. Und immer wieder an Grenzen zu stoßen. Darüber nachdenken, ob es wirklich seltsam ist in seiner Wohnung ohne Schuhe herumzulaufen. Vor Glück weinen. Meine Liebe zu Avocados zu entdecken. Zum Biertrinker zu werden. Viele englische Kinderspiele erfinden. Unzählige Male ,,Good morning, class” zu sagen. Zu lernen das Muttermilch gegen Ohrenschmerzen und Urin gegen Grippe helfen. Mit 5 Liter Wasser duschen. Viele Stunden meine Kleidung von Hand waschen. Lernen auf Spanisch zu fluchen. Und auf Spanisch zu telefonieren. Eine Mail an meine Mama zu schreiben um ihr zu sagen, dass ich nach Hause will. Immer wieder sehr schöne und ermutigende Mails zu bekommen…

Ein Jahr Perú ist nun zu Ende. Klar, es wird nie zu Ende gehen, denn dieses Jahr ist ein Teil meines Lebens und so wird es ab jetzt ein Stück Ich sein. Im Rückblick war es ein Jahr mit sehr vielen Gefühlen. Ich war selten so wütend, traurig, hatte Heimweh, habe vermisst, gelacht, geweint, war unendlich glücklich, nachdenklich, zweifelnd, fröhlich, dankbar, bewegt, verliebt, erschüttert, melancholisch, nostalgisch und herzlich.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und hätte ich nocheinmal die Chance, dann würde ich wieder dasselbe tun. Ich habe sehr viel gelernt und bin gewachsen (auch in die Breite). Ich glaube insgesamt bin ich dankbarer geworden und auch sicherer, denn ich habe jetzt das Gefühl, dass ich alles hinbekomme. Irgendwie. Letztendlich.

Somit möchte ich mich bei allen bedanken. Bei meinen Eltern, die mir immer wieder gesagt haben, dass ich das gut mache und durchziehen soll. An meine Freunde, die mich nicht vergessen haben. Für die vielen Päckchen und Karten die ich bekommen habe. Und natürlich bei allen anderen, die mich unterstützt und begleitet haben. Und bei allen, die mir wunderschöne Momente und Erinnerungen geschenkt haben. Und danke natürlich auch an alle, die mir jetzt helfen mich wieder einzugewöhnen.

Somit endet nun mein Blog und ein neuer Abschnitt in meinem Leben beginnt. Ab Oktober werde ich Lehramt Spanisch/Deutsch studieren, denn in diesem Jahr habe ich gemerkt, dass mir unterrichten wirklich Spass macht (klar, nicht immer, aber meistens ;) ). Ich freue mich schon sehr.Vielen Dank, dass ihr meinen Blog ein Jahr verfolgt habt. Cuidense mucho y un abrazo a todos!! Hasta luego!

 

 
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(Endlich) Angekommen?!

05 Aug

,,Schau mal, Sari, die Häuser sehen alle sauber aus, alle sind fertig gebaut und stehen in Reih und Glied.”  ,,Und es ist schlechtes Wetter und alles ist grün, Judith.”

Wir benehmen uns wie Touristen und stellen nach dem ,,Willkommen am Airport Stuttgart” fest, dass wir nicht mal einen Euro haben um die Koffer zu transportieren. Ein sehr netter Kölner schenkt uns einen Euro. Auch Deutsche sind also sehr nett. Natürlich haben es unsere Koffer nicht geschafft von Amsterdam nach Stuttgart zu kommen und so mussten wir uns gleich die volle Dröhnung Schwäbisch geben.

,, Haben Sie ihre Waschsachen bei sich?
,,Nein? Ja, da können wir leider auch nichts machen."
,,Gracias."
,,Bitteschön."

 

Der ganze Flug war sehr chaotisch. Zuerst habe ich in meinem völlig verheulten Zustand mein geliebtes Lederjackenimitat vergessen, dann hatte KLM in Lima zuerst keinen Sitzplatz für mich und Judith besaß kein Geld und keine Bankkarte mehr um die Flughafensteuer (31 Dollar!!!) zu bezahlen und wir hatten unser Einreiseformular leider weggeworfen, weshalb wir es sehr knapp in den Flieger nach Amsterdam schafften.

Nach dem allerletzten sehr dramatischen Telefonat auf Spanisch und peruanischem Boden, bemerkte ich, das meine Sitznachbarn alles mitgehört hatten. Ich saß nämlich zwischen einer Peruanerin, die seit 25 Jahren in Deutschland wohnte und einem Peruaner, der seit 10 Jahren in Italien lebte. Ein toller Zufall, denn die Gespräche mit den beiden waren wirklich sehr aufmunternd.–> ,,Man lebt nicht zwischen zwei Welten, sondern hat zwei Heimaten und man hat auch nicht nur ein halbes Herz sondern zwei.”

Und so bekam ich auf holländischen Boden noch das letzte Stück Pastel de Choclo. Sozusagen als Stärkung um durch den ganzen Flughafen zu rennen. Denn wir schafften es auch in Amsterdam gerade so zum Flugzeug und da Judith auf dem Weg leider ihren Pass verlor, durften wir auch nur mit viel Glück einsteigen.

Seitdem bin ich wieder in Deutschland. Meiner Heimat oder so. Und ich fühle mich eher wie ein Marsmännchen. Alle um mich herum reden sehr, sehr schwäbisch, was mir früher gar nicht aufgefallen ist. Die Kassiererin sieht mich seltsam an wenn ich ,,Hallo, wie gehts dir?” sage, alle fangen an zu lachen, weil ich mich im Auto nicht anschnalle, auf der Toilette suche ich verzweifelt den Mülleimer für das Klopapier und mein Papa konnte die Pfandflasche gerade noch retten, bevor sie im Mülleimer landet.

Und es ist immer sehr ruhig. Sehr sehr ruhig. So, ruhig dass man den Wind hört. Und unglaublich feucht. Ein Jahr lang habe ich mich auf richtige Bettdecken gefreut, um dann schweißgebadet aufzuwachen, weil die Decke zu schwer und zu heiß ist. Ein Jahr habe ich mich auf Fernsehen gefreut, um dann festzustellen, dass im Fernsehen nur Schwachsinn kommt. Und für was bitte braucht ein Mensch eine Brotschneidemaschine?

Als wir in ein gutes schwäbisches Restaurant gehen, habe ich das Gefühl ich hätte meine Kamera vergessen, um den Bierkrug zu fotografieren. Und um zwei Uhr nachts bin ich hellwach. Dinge, die ich alle für selbstverständlich gehalten habe und die für alle anderen auch selbstverständlich scheinen.

Als ich nach Hause komme holen mich meine Eltern und meine Cousine ab und zuhause warten meine Freundinnen auf mich. Es ist sehr schön alle wiederzusehen und wieder Brezeln zu essen und Käse.

Ich hätte nie gedacht, dass auch das Zuhause in dem man so viele Jahre verbracht hat ungewohnt für einen werden kann und das schon nach einem Jahr.

 
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Abschiede

28 Jul

Die Tage werden jeden Tag weniger und irgendwie erscheinen sie mir auch kürzer, weil ich die ganze Zeit von einem Ort zum anderen laufe und so viele Dinge im Kopf habe. Am Montag war der erste Abschied. Von meiner Schule, den Schülern und den Lehrern…Es war sehr traurig. Klar, zuerst war es so wie immer: chaotisch. Die Direktorin war nicht da und niemand wusste ob sie überhaupt wiederkommen würde. Ich nutzte somit die Zeit um meine Geschenke aufzuhängen. Ich hatte Fotos aus dem ganzen Jahr gesammelt und fünf Poster verziert und aufgehängt. Dann wurde ich zur ersten Klasse gerufen. Herzallerliebst hatten die Kinder kleine Teddybärchen auf denen ,,Ich hab dich gern” stand gebastelt. Wir sangen und aßen Chips. Als dann die Kinder zu Ehren des Heiligen Kindes im Pausenhof aufstellten, nutzte ich die Chance für eine Rede. Ich ließ die Kinder versprechen, dass sie fleißig weiterlernen würden und dass wir, wenn ich wiederkäme in Englisch miteinander reden würden. Dann umarmte ich alle und es gab Kinder die sich immer wieder hinten anstellten. Und dann heulte ich glaub ich nur noch und einige Kinder fingen auch an zu weinen und ließen mich nicht mehr los. Alles sehr dramatisch. Ich bekam viele Bilder und kleine Briefchen auf denen Dinge standen wie:,, Bleib doch, Miss Sarita. Ich werde Dich auch nie wieder zum schimpfen bringen.” Die Lehrer hielten Reden und der Kunstlehrer schenkte mir ein Aquarell von Arequipa. Dank der Hilfe meiner Mama bekamen alle Lehrer kleine Schutzengelchen aus Deutschland von mir…und wir sangen alle meine Lieblingslieder. ,,Der Uhrzeiger bewegt sich immer weiter, Sarita. In traurigen und in schönen Momenten. Das ist das Gute. Du weißt, dass er nie stillstehen wird und wir werden dich immer im Herzen behalten.” Wir gingen noch alle zusammen essen und redeten darüber, dass das Heilige Kind mich schon bald wieder nach Arequipa bringen würde.

Doch wo ein Ende ist, ist immer auch ein Anfang. So kam es, dass ich am nächsten Tag nach Lambramani fuhr und die zwei neuen Freiwilligen Carolin und Sabrina abholte und in meine Schule brachte. Ich freue mich wirklich, dass sie das weiterführen, was wir angefangen haben. Lustig zu sehen, wie die beiden ihre ersten Eindrücke hier erleben und ich mich daran erinnere, wie ich mich am Anfang fühlte und wie ich zu schüchtern war Spanisch zu reden. Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl bei den beiden und sie werden das bestimmt alles super meistern.

In meiner Bibelgruppe ging es dann weiter und nach Unmengen von Pizza und Tabú auf Spanisch (Ich habs echt hinbekommen worauf ich ab jetzt ganz offiziell eine Arequipenia bin ;) ) haben alle für mich gebetet und mir ganz viele Wünsche auf den Weg mitgegeben. Und auch ich hab gebetet….das erste Mal nach langer Zeit.

Heute waren wir dann in La Mansión. Es gibt eine SUPERMEGATOLLE Nachricht: La Mansión bekommt Wasserleitungen!!! Unglaublich, oder? So wird das Wasserschleppen bald ein Ende haben und La Mansión näher an einem Leben in Würde sein.

Judith und ich haben eine Erinnerungslilie gepflanzt und ein Poster gebastelt, es gab etwas Vegetarisches und danach erzählten wir den Kindern, dass wir nun in unser Land gehen müssten um dort zu studieren. Danach teilten wir Kerzen aus und jedes Kind durfte eine Kerze anzünden und sich etwas für sich, Carolin, Sabrina, Judith und mich zu wünschen und sie dann auszupusten. Es war total schön, endete aber natürlich in einem Chaos und ich musste um Schlimmeres zu verhindern einige Kerzen auspusten. Wir mussten das Poster abhängen und am Ende war die Wanddeko nicht mehr vorhanden. Doch ganz anders als an anderen Tagen musste ich heute darüber schmunzeln. Typisch La Mansión irgendwie. Trotzdem war es sehr schön und ich bekam ein Bild von Ximena, auf dem ich ein grünes Gesicht habe ;)

Nachdem die Horde draußen war wurde es wirklich rührend. Vor uns standen auf einmal ganz viele Mamas und begannen Reden zu halten. Ein wahnsinniges Gefühl. Vor uns standen die Mütter, die normalerweise ganz leise reden und schüchtern sind. Die uns am Anfang ignoriert haben. Und Quetchua redeten, damit wir sie nicht verstehen. Und sie bedankten sich bei uns und umarmten uns.

Und wir bekamen eine Karte auf der die Mamas in ihrer Grundschulschrift Wünsche für uns aufschrieben. ,,Seniorita Sara, ich Nazaria mag dich sehr gerne. Vergiss mich nie.” Und so heulten wir alle gemeinsam…

Soweit mal von hier. Vom Abschied und Anfang. Und wie immer von ganz vielen gemischten Gefühlen. Wir sehen uns bald…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Desfile

21 Jul

Meine Heimat ist Perú, heiliges Land,

das die Küste, das Hochland und den Regenwald beherbergt,

wir Peruaner sind alle wie Brüder,

arbeiten hart.

Unsere Lehrer in unseren Klassenzimmer

bedeuten Fortschritt und Wohlstand,

alle mit großem Fleiß vereinigt,

damit wir ein großes Perú erreichen.

 

Zur Ehre der Patria gab es heute einen großen ,,Umzug” in Alto Selva Alegre. Alle meine Schüler hatten sich herausgeputzt und sahen allerliebst aus. Seht selbst…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qué viva el Perú, carajo! Viva!!

 
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Der Countdown läuft

20 Jul

Unglaublich: Heute ist der 20. Juli. In 13 Tagen bin ich schon halb auf deutschem Boden. Die Zeit ist so knapp und meine Tage sind randvoll gefüllt. Ich versuche den Kindern noch die letzten englischen Wörter beizubringen, was mir allerdings von Monat der Patria erschwert wird. Die ganze Schule ist in rot weiß geschmückt, wir stellen uns jeden Morgen im Schulhof auf und singen die Nationalhymne und andere Lieder über das glorreiche Perú. Welche Farbe hatte das Pferd von Alfonso Ugarte, der mit der peruanischen Flagge in Arica das Moro hinuntersprang? Was sind die drei Fahnen Perús? Und dazwischen immer wieder marschieren. Für die, die keine Vorstellung haben:

Alle Kinder stellen sich in drei Reihen auf, es gibt einen Fahnenträger, der Befehle erteilt. Man schwingt das linke Bein mit der rechten Hand und danach das rechte Bein mit der linken Hand. Für mich ist das alles seltsam. Sechsjährige, die marschieren. Aus Liebe zum Vaterland und um Disziplin zu beweisen. Auch ich muss/darf/soll marschieren. Dafür haben wir heute schon einen marineblauen Anzug ausgliehen und Strumpfhosen und Hut gekauft. Alle Lehrer werden das Gleiche tragen. Irgendwie ein schönes Gefühl auch einer von ihnen zu sein. Ich bin gespannt auf morgen…

Ansonsten bin ich eigentlich wie immer, nur noch viel sensibler. Am Sonntag war glaub ich der Höhepunkt erreicht, als ich anfing zu heulen, weil ich mein Zimmer hier zurücklassen muss, obwohl mir mein Zimmer eigentlich peinlich ist, weil kein Fenster hat und nur eine Matratze. Auch in der Schule ist es unglaublich schwer und ich bekomme viele Umarmungen von Schülern und Lehrern, die immer wieder sagen: ,,Geh nicht.”

Ich bekomme Geschenke von den Kindern: pinkne Plastikohrringe, ein Armband mit vielen Heiligenbildern, gemalte Bilder und Kettchen. Alles Sachen, die den Kindern gehören, die sie mir aber schenken, weil sie mir unbedingt etwas geben wollen. Ich bin gerührt.

Die Schwester meiner Schule lädt mich zu sich nach Hause ein, weil ihre Mama, mit der ich zusammen Steine getragen habe, bei mir verabschieden will. Wieder einer dieser Nachmittage, die mich unglaublich traurig machen und rühren. Ich steige unglaublich viele Treppenstufen hinauf und komme am Ende auf der Spitze des Steinhügels an. Das Haus sind zwei Räume mit fünf Betten, fünf Meerschweinchen und jeder Menge Albinohasen. Als ich die Mama begrüße freut sie sich, ihre Freundin bei sich Willkommen zu heißen. Sie lädt mich zum Essen ein und wir essen auf dem Bett. Die Familie hat rein gar nichts und läd mich zum Essen ein und die Schwester gibt in der Schule kostenlos Religionsunterricht.,,Wir mussten dich doch einladen, damit du weißt, wo unser Haus ist, wenn du zurückkommst. Damit du uns besuchen kannst.”

Ganz bald geht eine Zeit zuende, die von so unglaublich vielen Gefühlen geprägt war und ich bin so dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Meine Direktorin und ich reden über das was davor war, bevor ich kam. Dass sie unbedingt wollte, dass eine Partnerschaft zustande kommt. Genauso wie ich. Und wie ich ihr im Dezember 2009 geschrieben hab und nicht wusste wie. Und sie mir einfach nur schrieb: Wir freuen uns auf dich. Sie sagt mir, dass sie sehr zufrieden mit mir ist. Das erste Mal, dass sie das direkt zu mir sagt.

All das kommt mir wie Jahrhunderte vor. Wie wird es sein wieder einen Klodeckel zu haben und das Klopapier in die Toilette zu werfen? Wenn ganz viel Wasser aus der Dusche kommt und es immer warm ist? Und es überall öffentliche Mülleimer gibt? Und man sich nicht überlegen muss, wohin man sein Handy steckt, wenn man auf die Strasse geht? Nicht jeden morgen mit einem: Miiiiiiiiiiiiss Sarita begrüßt zu werden?

Ich weiß es nicht. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

 
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Dia del Maestro

06 Jul

Danke Perú, danke für einen weiteren freien Tag, an dem der Grundschullehrer gefeiert wird, also auch ich. Es war richtig schön, gestern wurden wir von den Schülern gefeiert, ich bekam viele Küsschen und Umarmungen. Balsam für die Seele also. Ich merke immer mehr, dass Lehrer trotz mancher schwieriger Tage ein geeigneter Beruf für mich ist, auch wenn Lehrer sein in Deutschland sehr anders ist. Auf jeden Fall war ich gestern sehr gerührt, als ich von einer meiner Zweitklässlerinnen ein Geschenk bekam….

 
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Impresiones

02 Jul

Diese Woche war ich nur am Montag in der Schule, den Rest der Woche verbrachte ich im Comedor, in dem Judith es endlich, mit viel Durchhaltevermögen, geschafft hatte das Zahnputzprojekt durchzusetzten und so musste 95 Kindern erklärt werden, wie man sich die Zähne putzt. Außerdem mussten wir ganz schön aufpassen, da die Kinder Zähneputzen so gerne mögen, dass sie es am liebsten vor, zwischen und nach dem Essen täten. Zudem machten wir wir diese Woche noch Workshops zum Thema Hygiene für die Kinder und führten ein kleines Theaterstück, das Maria mit den schmutzigen Händen heisst, auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Familienbesuch

23 Jun

Jetzt sitze ich hier in meinem Zimmer und leere Matratzen erinnern mich, dass der Besuch meiner Eltern zuende ist. Es war sehr schön ihnen mein Perú zu zeigen und klar, es hat sich einiges verändert. Mein Bruder ist echt groß geworden, meine Mama kann auf einmal Spanisch, erzählt, dass sie schon mal in Deutschland Picarones gekocht hat und mein Papa ist viel ruhiger geworden. Insgesamt ist alles viel entspannter.

Ich sehe wie meine Mama zwei Mädchen im Comedor füttert, als wäre das ganz natürlich. Und wie mein Papa und Bruder von einer Horde kleiner Jungs umzingelt werden, die gar nicht mehr aufhören wollen, mit ihnen zu spielen. Wie die Mamas erstaunt zusehen, wie mein Papa die Tische abwischt. Und dann meine Mama fragen, wann sie denn wiederkommt.

Mein Sportlehrer, der mit meinem Papa über den Vfb Stuttgart ,,redet”. Wie ich im Restaurant peruanisch-deutsch, deutsch-peruanisch übersetze und am Abend eine Party gefeiert wird auf der koreanisch, quetchua, englischs spanisch und deutsch gesprochen wird und unglaublich viel gelacht.

Und danach alle sagen, wir wären eine tolle, hübsche Familie. Und dass ich die gleichen Gesten und Züge wie mein Papa habe. Wie wir dann in Ica Sandboarden gehen und mein Papa Alpaca isst. Aber nur, weil er weiß, dass es spuckt. Der erste Pisco Sour, bei dem meine Mama angewidert das Gesicht verzieht und den dann ich trinke. Wir werden überfallen und mein Papa bekommt die Höhenkrankheit. Meine Mama schafft es unser Geld zu verstecken und mein Bruder hat geübt sein Handy unauffällig in seinen Ärmel zu schieben- unglaublich, oder? Wir bummeln durch unzählige Märkte, auf denen Souvenirs angeboten werden und kaufen Alpacapullis und dutzende von Armbändchen. Ich reite mein erstes Mal und falle fast vom Pferd. Meine Mama schafft es den fahrenden Bus zu stoppen um ihre Ninios noch einsteigen zu lassen. Ein Taxifahrer beschimpft mich und sagt, ich solle doch erst einmal spanisch lernen.

Mein Bruder geht in unser Bad und kommt nach dreißig Sekunden mit den Worten ,,Ich kann das nicht” wieder heraus. Wir kochen Knödel mit Geschnetzeltem für zwölf Leute auf zwei Herplatten und spielen später deutsche Schlager auf der Gitarre. Nach elf Monaten spiele ich wieder unzählige Male Stadt, Land, Fluss und UNO. Familientradition halt ;) .

Zurück bleiben mir die Pflicht noch mehr auf mich aufzupassen und sehr viele wunderschöne Erinnerungen. Das Bewusstsein irgendwie erwachsen geworden zu sein und der Stolz eine tolle Familie zu haben, die ich wirklich sehr lieb habe.

 

 
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Peru, das Land mit den zwei Gesichtern–> Mama plaudert aus dem Nähkästchen

22 Jun

Es ist jetzt gute zwei Wochen her, dass wir unseren Heimflug nach Deutschland wieder angetreten  haben und uns der Alltag wieder im Griff hat.

Es war unbeschreiblich schön, als wir unsere Sarah, nach 10 Monaten, wieder in die Arme schließen konnten und feststellen mussten, wie erwachsen sie doch geworden ist. Die Tränen flossen vor lauter Glück über unsere Wangen. Am nächsten Tag ging es dann auch schon los mit der Besichtigung Arequipas. Die Stadt Arequipa ist eine wunderschöne Stadt mit ihrem Plaza de Armas, dem Platz an dem sich alle treffen, wenn sie sich verabreden. Ich muss sagen, so schön hatte ich mir Arequipa nicht vorgestellt. Das es Sarah so gut in Peru gefällt, kann ich jetzt nachvollziehen.

Am darauffolgenden Tag, ging es dann weiter in die Schule in der Sarah unterrichtet. Eine liebevolle Begrüßung und Umarmung von den Kindern und Lehrern hat mich da schon zum Nachdenken gebracht. Wo findet man noch soviel Wärme und Herzlichkeit bei uns? Diese Kinder und Lehrer kannten uns doch gar nicht und trotzdem wurden wir so mit offenen Armen empfangen. Es waren auch Mütter da, die sich bei uns für das Frühstück, welches ihre Kinder jetzt bekommen, bedankt haben. Wenn man die Freude in den Augen dieser Mütter gesehen hat, weiß man, dass Sarah genau das Richtige mit diesem Frühstücksprojekt gemacht hat. Da man ja bekanntlich mit leerem Magen schlecht lernt, waren die Spenden für ein Schulfrühstück genau das Richtige. Auch in den Augen der Kinder konnten wir die Freude sehen, als wir ihnen ein Brot und eine Banane zum Frühstück überreichten und ein GRACIAS von ihnen zurückbekamen. Es war auch für uns ein unvergessliches Erlebnis, diese strahlende Kindergesichter zu sehen.

Nun aber zum anderen Gesicht dieses Landes. Die nächste Station war dann La Mansion. Ein paar Kilometer mit dem Bus und wir wurden mit der vollen Armut konfrontiert. Die Frauen holen sich das Wasser, welches sie für die Schulküche zum Kochen und Abwaschen sowie zum Händewaschen für die Kinder benötigen in großen Behältern am Ende des Weges. Streunende Hunde liefen uns in Massen über den Weg. Mit dem Besen wurden ein paar aus der Schulküche verscheucht. Es wurden Kinder gemessen und gewogen. Eimer in verschiedenen Farben, wurden vor dem Comedor aufgestellt, damit sich die Kinder vor dem Essen mit Seife die Hände waschen können. Die Kinder kommen dann und der erste Weg führt sie dann zum Hände waschen, bei dem man sehr gerne behilflich ist. Danach geht’s  zum Essen holen.

Manche Kinder sind noch sehr klein & schon sehr müde, wenn sie in den Comedor kommen um eine ganze Portion zu essen, aber diesen haben wir dann geholfen und sie gefüttert. Diese Zeit, als ich Kinder gefüttert habe, liegt schon ein Weilchen zurück, aber es klappt noch. Es ist ein schönes Gefühl, den Kindern mit einer warmen Mahlzeit am Tag zu helfen. Für viele dieser Kinder ist es die einzige Mahlzeit, die sie bekommen und daher ganz wichtig, dass sie ihren Teller auch ganz leer essen. Dies hat mich auch sehr traurig und nachdenklich gemacht, aber auch stolz, dass ich ihnen beim Aufessen ihrer Mahlzeit helfen durfte.

Es ist auch gut zu wissen, dass durch die Schulpartnerschaft mit dem RBG Langenau, sowie die Hilfe von Claim for Dignity  in diesem Armutsviertel mit Spenden und Freiwilligen ein klein wenig geholfen wird. Wie sagt man so schön: Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein, aber ein Anfang. Es ist aber nicht so, das diese Menschen und Kinder unglücklich sind, sondern sie freuen sich darüber, dass da zwei junge Frauen sind, die ihnen vor Ort Dinge wie Zähne putzen und Hände waschen beibringen und Tischregeln und Verhaltensregeln aufstellen. Sie sind willig zu lernen und ich glaube, dass dies schon Grund genug ist, um diese Kinder und Muttis weiter zu unterstützen. Den Müttern gehört meine volle Hochachtung, denn was diese Leisten ist wirklich aller Anerkennung wert. Mit eigenen Augen dies alles zu sehen, war schon diese Reise wert, man hört viel von der Armut, aber es ist was völlig anderes, es dann mit eigenen Augen zu sehen. Ich könnte jetzt noch viel schreiben von unserer Reise, aber einiges habt ihr schon in Sarahs Blog gelesen, was wir sonst noch alles so erlebt haben.

Für mich war allerdings das Wichtigste unseres Peruaufenthalts, dass wir unsere Tochter wieder sehen und in die Arme nehmen konnten und die Menschen und Projekte kennenlernen konnten, die Sarah in diesemJahr unterstützt und begleitet  und lieben gelernt hat.

Sie hat in einem für sie damals fremden Land, Freunde gefunden und konnte den Kindern, mit ihrem Mut und ihrer Offenheit  ein klein wenig helfen. Sie hat ihnen ein Grundwissen in Englisch beigebracht und über andere Länder und andere Sitten mit ihnen geredet. Auch da ist nicht alles Gold was glänzt, aber wenn es um Strom, Wasser, Essen usw. geht ist es doch etwas einfacher. Man dreht einfach den Wasserhahn im Haus auf und schon kommt das Wasser.

In diesem Sinne, möchten wir uns bei unserer Sarah bedanken, dass sie uns auf diese Reise in eine Welt, die wir niemals kennengelernt hätten, bedanken.Es war uns eine Ehre diese  liebevollen Menschen kennengelernt zu haben und wir werden sie weiterhin in unseren Herzen mit uns führen und sie nicht vergessen.

Liebe Grüsse

Thomas, Marcel und Hilde

 

 
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Der Mensch ist des Menschen Wolf

18 Jun

Liebe Oma,

heute war ein schoener Tag am Titikakasee in Perú. Es war zwar etwas kalt, weil wir uns auf 3 800 m befinden, aber wir hatten einen schoenen Blick auf den See und die Leute haben uns alle sehr freundlich behandelt.

So koennte eine Postkarte meines Bruders im Idealfall aussehen. Leider musste heute meine Familie Peru von einer anderen Seite kennenlernen und statt die Uros zu sehen, sah meine Mama ein Messer, das auf meinen Bauch gerichtet war. Eindruecke, die ich wohl nie vergessen werde. Wir verliessen das Hostal um 11 Uhr morgens ohne meinen Papa, dessen Magen ich wohl geerbt habe und der sich lieber ausruhen wollte und bogen zu einem Aussichtsturm, dem Mirador de Huajsaca, einer Inkastatue ein. Dort sieht man ueber den ganzen See. Wir machten ein Foto von einer Touristengruppe aus Lima und stiegen dann ueber Steine in Richtung Zentrum. Leider bemerkte ich eine Gruppe Maenner, die uns Hola zuschriehen viel zu spaet und so ging einer der Maenner auf meine Mama zu und ergriff ihre Hand. In der anderen Hand hatte er ein Messer und auf einmal waren wir von zehn Maenner ganz in schwarz umringt. Das alles ging so schnell und ich sah wie ein Mann mit einer Glasscherbe den Bauch meiner Mama entlangfuhr und mein Bruder seinen Schuh ausziehen musste, waehrend mir meine Tasche weggerissen wurde. Danach fingen sie an mich zu betatschen, zogen mein T-Shirt nach vorne und griffen mir in den Schritt. ,,Ihr habt meine Kamera in der Tasche, lasst uns in Ruhe, wir haben nichts mehr.”, flehte ich immer und immer wieder und nach einem ,,Halts Maul und verschwindet von hier”, liessen sie endlich von uns ab und verschwanden. Wir rannten so schnell es ging den Berg zu der Touristengruppe hinauf, zu der zwei Polizisten aus Lima gehoerten, die sofort in die Richtung der Maenner rannten, aber natuerlich waren wir zu spaet. Danach verbrachten wir ueber drei Stunden bei der Polizei, die mich im Ernst um einen Sol bat um meinen Pass zu kopieren. Klar hatte ich einen Sol, ich war ja auch erst gerade ueberfallen worden.

Es geht mir nicht um die Kamera, es soll wohl nicht sein, dass ich eine tolle Kamera besitze. Es geht um Scham, Wut, Hilflosigkeit und Angst. Um das Gefuehl sich in einem Land nicht sicher zu fuehlen, wenn man in einer Strasse laeuft. ,,Der Mensch ist des anderen Menschen Wolf.” und vielleicht hatte Rousseau Recht. Was meinen Eltern bleibt ist die Angst, dass ich noch fuenf Wochen laenger bleibe, wenn sie abreisen.

,,Mir war es lieber, dass ich mit dir ueberfallen wurde, anstatt dass du alleine in dieser Situation gewesen waerst”, sagt meine Mama. ,,Mir waere es lieb gewesen, du haettest das nie erlebt, Mama.”

Im Hostal herrscht dann Fassungslosigkeit. So viel Gewalt an einem sonnigen Morgen, fuenf Minuten vom Stadtzentrum entfernt an einer der Sehenswuerdigkeiten, die den Touristen als Besuchsort empfohlen wird. Und ein Gefuehl von Fassungslosigkeit. Ich bin immer noch blass und kalt ist mir auch. Perú ist so ein schoenes Land, aber es wird mit den Fuessen getreten. Nicht von den Spaniern. Von seinem eigenen Volk.

 
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