In einem Jahr kann man 60 Kilo abnehmen, ein Haus bauen, Vater werden, 10 Kilo zunehmen oder 2002 Stunden arbeiten. In einem Jahr sterben über 7 Millionen Menschen an Folgen der Unterernährung und jeder Deutsche isst ungefähr 210 Eier. Ein Jahr hat 365 Tage, 12 Monate und 52,17 Wochen.
Alles also ganz relativ.
Hinter mir liegt nun ein Jahr und vor mir liegen ungefähr sechs. Wenn ich so gut wie der Durchschnitt bin.
Ein Jahr also. Ein Jahr das manchmal zu schnell und manchmal auch zu langsam vorüberzieht.
Ein Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland zu machen bedeutet vieles. Für einige bedeutet es Zeitverschwendung. Für viele ist es sicherlich ein Egotrip mit viel Party und wenig arbeiten. Denn ein Jahr weg aus Deutschland bedeutet für manche Zeit zu verbringen, die zwar im Lebenslauf positiv angerechnet wird, aber nicht immer unbedigt mit den Dingen ausgefüllt wurde, für die sie eigentlich gedacht war.
Ein Arequipa bedeutet für mich 300 Tage Sonne von morgens bis abends. Morgens um sieben von lauter Musik aufgeweckt zu werden. Anfangs da zu sein, aber irgendwie nicht unbedingt gewollt zu werden. Oder Mitglied einer neuen ,,Familie” zu sein. Zwei Mal ins Krankenhaus zu müssen. Insgesamt mehr als 28 Tage krank zu sein. Drei Mal Besuch zu bekommen. An geschätzten 200 Tagen Reis zu essen. Oder Kartoffeln. Oder Nudeln. Oder alles auf einmal. Nur zwei Jahreszeiten zu fühlen. Nicht fernsehen. Jeden Tag mit vielen Umarmungen und Küsschen begrüßt zu werden. Mehr als zwölf Tage im Bus zu verbringen (die täglichen Busfahrten nach Alto Selva Alegre oder La Mansión nicht miteingerechnet). Ein Jahr Arequipa bedeutet jeden Tag den Misti zu sehen und zwölf Erdbebeen pro Tag ausgesetzt zu sein. Und nur eins davon zu spüren. Lernen Schreibschrift zu schreiben. Und geduldiger zu werden. Und ruhiger. Immer wieder darüber nachdenken, ob Entwicklungshilfe sinnvoll ist. Und immer wieder an Grenzen zu stoßen. Darüber nachdenken, ob es wirklich seltsam ist in seiner Wohnung ohne Schuhe herumzulaufen. Vor Glück weinen. Meine Liebe zu Avocados zu entdecken. Zum Biertrinker zu werden. Viele englische Kinderspiele erfinden. Unzählige Male ,,Good morning, class” zu sagen. Zu lernen das Muttermilch gegen Ohrenschmerzen und Urin gegen Grippe helfen. Mit 5 Liter Wasser duschen. Viele Stunden meine Kleidung von Hand waschen. Lernen auf Spanisch zu fluchen. Und auf Spanisch zu telefonieren. Eine Mail an meine Mama zu schreiben um ihr zu sagen, dass ich nach Hause will. Immer wieder sehr schöne und ermutigende Mails zu bekommen…
Ein Jahr Perú ist nun zu Ende. Klar, es wird nie zu Ende gehen, denn dieses Jahr ist ein Teil meines Lebens und so wird es ab jetzt ein Stück Ich sein. Im Rückblick war es ein Jahr mit sehr vielen Gefühlen. Ich war selten so wütend, traurig, hatte Heimweh, habe vermisst, gelacht, geweint, war unendlich glücklich, nachdenklich, zweifelnd, fröhlich, dankbar, bewegt, verliebt, erschüttert, melancholisch, nostalgisch und herzlich.
Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und hätte ich nocheinmal die Chance, dann würde ich wieder dasselbe tun. Ich habe sehr viel gelernt und bin gewachsen (auch in die Breite). Ich glaube insgesamt bin ich dankbarer geworden und auch sicherer, denn ich habe jetzt das Gefühl, dass ich alles hinbekomme. Irgendwie. Letztendlich.
Somit möchte ich mich bei allen bedanken. Bei meinen Eltern, die mir immer wieder gesagt haben, dass ich das gut mache und durchziehen soll. An meine Freunde, die mich nicht vergessen haben. Für die vielen Päckchen und Karten die ich bekommen habe. Und natürlich bei allen anderen, die mich unterstützt und begleitet haben. Und bei allen, die mir wunderschöne Momente und Erinnerungen geschenkt haben. Und danke natürlich auch an alle, die mir jetzt helfen mich wieder einzugewöhnen.
Somit endet nun mein Blog und ein neuer Abschnitt in meinem Leben beginnt. Ab Oktober werde ich Lehramt Spanisch/Deutsch studieren, denn in diesem Jahr habe ich gemerkt, dass mir unterrichten wirklich Spass macht (klar, nicht immer, aber meistens
). Ich freue mich schon sehr.Vielen Dank, dass ihr meinen Blog ein Jahr verfolgt habt. Cuidense mucho y un abrazo a todos!! Hasta luego!


















